5. Tag
Mittwoch, 3.5.2006

Coyote Buttes North - The Wave und the Second Wave

Der Wecker klingelte schon um kurz nach 5 Uhr. Heute stand unsere Wanderung zur Wave auf dem Programm, deshalb standen wir auch gleich auf, duschten und machten uns startklar. Für unterwegs machten wir uns noch etwas Verpflegung fertig und packten sie zusammen mit reichlich Wasser in den Rucksack. Das war schon unsere zweite Wave-Tour, die erste hatten wir im letzten Jahr gemacht, aber ich finde das Gebiet der Coyote Buttes North so faszinierend, dass ich auch noch öfter hinein gehen würde, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Wir verstauten unsere Rucksäcke im Auto, versicherten uns, dass wir auch das Permit und die Wegbeschreibung dabei hatten und fuhren erst mal zum frühstücken zum Ranch House Grille.

Umgebung der Wave
Umgebung der Wave

Gut gestärkt für die bevorstehende Wanderung verließen wir etwas später Page und machten uns auf den Weg zum Wirepass Trailhead. Hier stellten wir unseren Wagen auf dem Parkplatz ab und legten gleich das Parking-Tag hinter die Windschutzscheibe unseres Trail Blazers. Das Permit befestigte ich gut sichtbar am Rucksack, dann waren wir auch schon startbereit. Es war 8:30 Uhr als wir los gingen. Wir waren recht spät dran. Auf dem Parkplatz standen zwar noch einige andere Autos, aber außer uns war niemand zu sehen. Sie waren wohl schon alle unterwegs.

Trotz der frühen Stunde brannte die Sonne schon vom Himmel und brachte uns schmerzhaft unseren Sonnenbrand vom gestrigen Tag in Erinnerung. Schnell schauten wir noch einmal nach, ob wir auch die Sonnencreme eingesteckt hatte. Die Sonnencreme war im Rucksack - wir konnten unsere Wanderung beruhigt beginnen.

Wir verließen den Parkplatz und überquerten die Houserock Valley Road. Dann folgten wir dem Wash bis zum einzigen Hinweisschild zur Wave. Weiter ging es auf einem sandigen gut erkennbaren Weg bis wir die erste Felsformation erreichten. Von hier oben hatten wir schon einen phantastischen Blick über das weite Gebiet der Coyote Buttes North. Von nun an gab es keinen erkennbaren Weg mehr, es ging fast nur noch über felsige Passagen. Mit Hilfe der Wegbeschreibung und der Karte kamen wir ohne Probleme voran. Außerdem hatten wir noch vom letzten Besuch einiges in Erinnerung. Nach ca. einer Stunde bekam Ralf Kreislaufprobleme und brauchte dringend eine Pause. Wir gingen noch ein kurzes Stück weiter, bis wir ein kleines Bäumchen erreichten, in dessen Schatten Ralf sich hinsetzen konnte. Wir waren schon kurz vor unserem Ziel, der sogenannte Crack war deutlich zu erkennen. Ralf nahm den Rucksack ab und nach einer Weile ging es ihm auch schon wieder besser. Trotzdem machte ich mir etwas Sorgen. Er wollte dann aber unbedingt weitergehen und so nahmen wir dann das letzte und anstrengendste Stück des Weges in Angriff, die steile Sanddüne hinauf. Und dann waren wir auch schon da.

Eingang zur Wave
Eingang zur Wave
Umgebung der Wave
Umgebung der Wave

Durch den Nordeingang gingen wir in den Bereich der Wave hinein und suchten gleich die Stelle auf, an der der Fels eine Art natürliche Bank bildet. Hier ist fast immer Schatten und hier kann man prima sitzen. Nach einer kurzen Pause ging ich schon wieder los um die ersten Fotos zu machen, während Ralf noch erschöpft im Schatten blieb. Ich hatte aber keine Ruhe und kehrte schnell zu ihm zurück um zu schauen, wie es ihm ging. Er sah zwar noch etwas mitgenommen aus, aber er fühlte sich schon wieder viel besser. Inzwischen waren auch mehrere andere Leute dazu gekommen. Zusammen saßen wir dann alle im Schatten und erholten uns von der Hitze. Dabei kamen wir auch mit einem sehr netten amerikanischen Fotografen-Ehepaar aus New York ins Gespräch. Wie wir dann erfuhren, handelte es sich um Jon Ortner und seine Frau Martha.

Blick hinaus
Blick hinaus
 
Second Wave
Second Wave

Gemeinsam verließen wir nach einiger Zeit den Schatten und stiegen nach oben, wo wir unsere Stative aufstellten. Von hier hat man die "klassische" Ansicht der Wave und alle Kameras hatten nun reichlich zu tun. Mit dabei in unserer Gruppe war auch ein "Vater-Sohn-Gespann", die Ausdrucke von Fotos der Wave eines heimischen Fotografen dabei hatten und nun versuchten, diese Fotos nach zu stellen. Dabei gab es dann einige Meinungsverschiedenheiten - mehr nach rechts oder links, etwas höher oder doch tiefer, näher ran oder weiter weg, kleinere oder größere Blende etc. - und jedes Foto wurde genau mit der Vorlage verglichen. Wir amüsierten uns köstlich darüber. Dass sie dann aber bei ihren Versuchen uns anderen dauernd im Weg standen oder ins Bild liefen, ärgerte uns doch etwas. Während Jon und Martha in diesem Bereich blieben, wollten wir aber noch weiter nach oben, um beim 2. Besuch der Coyote Buttes auch die Second Wave zu finden. Und dieses Mal fanden wir die auch dank einer kurzen Wegbeschreibung, die ich im Internet gefunden hatte. Wenn man den Weg kennt ist es im Grunde ganz einfach. Im letzten Jahr kannte keiner der Besucher, die mit uns in der Wave waren, die Second Wave und den Weg dorthin. Wir hatten zwar eine ganze Weile gesucht, mussten dann aber doch aufgeben.

Zuerst erreichten wir den "Hamburger Rock", der natürlich gleich fotografiert werden musste. Kurz danach kamen wir zu den "Brainrocks". Sie sahen tatsächlich wie riesige Gehirne aus. Es ist schon phantastisch, was die Natur so alles zu Stande bringt! Aber dann erreichten wir endlich die Second Wave. Da wir aber quasi von hinten kamen, erkannten wir sie erst, als wir halb um sie herum gegangen waren. Um diese Tageszeit, es war fast genau 12 Uhr, lag sie voll in der Sonne, wodurch die schönen farbigen Streifen kaum zur Geltung kamen. Trotzdem waren wir überwältigt, es war ein grandioser Anblick. Gerne hätte ich hier Fotos in der Golden Hour und im Sonnenuntergang gemacht, doch so lange wollten wir nicht hier bleiben. Wir waren uns nicht sicher, ob wir in der Dämmerung oder eventuell in der Dunkelheit den Weg zurück zum Trailhead finden würden. Aber irgendwann würden wir das sicher mal machen. Für heute begnügten wir uns damit, die Second Wave aus verschiedenen Richtungen zu fotografieren und die nähere Umgebung noch etwas zu erforschen.

Nach ca. sechs Stunden Aufenthalt im Bereich der Wave und Second Wave machten wir uns wieder auf den Rückweg. Von der anderen Besuchern der Wave, auch von Jon und Martha, war weit und breit nichts zu sehen. Also gingen Ralf und ich alleine los. Den Rückweg finde ich persönlich immer etwas schwieriger. Hierfür gibt es ja auch keine Wegbeschreibung und das Ziel ist nicht so klar zu erkennen wie auf dem Hinweg. Irgendwann entfernten wir uns wohl etwas von dem "richtigen Weg". Dummerweise waren wir dann unterschiedlicher Meinung, wo wir denn lang gehen mussten. Und die Zeit drängte, denn es würde nicht mehr lange dauern bis zum Beginn der Dämmerung. Nachdem wir erst Ralfs Vorschlag folgten, aber trotzdem den Weg nicht fanden, war ich jetzt am Zug. Wir gingen "querfeldein" in die Richtung, in die ich von Anfang an gehen wollte und in der sich meiner Meinung nach der Trailhead befand. Dabei nahmen wir auch unseren Kompass zu Hilfe. Insgesamt hatten wir zwar etwas mehr Zeit gebraucht als geplant, aber wir kamen dann doch wieder an dem Wash heraus, von dem der Weg zur Wave abzweigt.

The Wave
The Wave
Die dritte Wave
Die dritte Wave

Als wir den Parkplatz erreichten hatte auch die Dämmerung schon eingesetzt. Kurz nach uns trafen auch Jon und Martha und ein anderes Ehepaar am Trailhead ein. Wir verabschiedeten uns von allen und fuhren zurück nach Page. Ursprünglich hatten wir vorgehabt am Lone Rock zu zelten, aber da wir so verschwitzt und voller Sand waren, brauchten wir dringend eine Dusche und so zogen wir es doch vor, in einem Motel zu übernachten.

Wir versuchten es zuerst bei Americas Best Value Inn und bekamen auch tatsächlich noch ein Zimmer. Zuerst war natürlich die Dusche fällig. Danach fühlte ich mich wie neu geboren, nur etwas geschafft. Jetzt mussten wir noch etwas für unser leibliches Wohl tun. Da wir erst gestern Pizza hatten fuhren wir heute zu Dennys zum Essen. Anschließend ging es direkt wieder zum Motel zurück. Wir wollten noch unsere Fotos sichern und den Reisebericht schreiben. Und dann wollten wir nur noch schlafen. Den Wecker stellten wir auf etwas später wie sonst. Nach diesem anstrengenden Tag musste das sein.

Gefahrene Meilen: 98