4. Tag
Dienstag, 2.5.2006

Suche nach dem Alstrom Point, Wahweap View, Horseshoe Bend

Der Wecker klingelte eine halbe Stunde früher wie gestern. Gut ausgeruht standen wir auf, wir hatten ja auch recht lange (und auch gut) geschlafen. Nach der morgendlichen Dusche bereiteten wir unser Frühstück vor, da wir unterwegs frühstücken wollten. Wir belegten Bötchen (nicht zu vergleichen mit unseren deutschen Brötchen) mit Schinken und Käse. Dann kam noch ein Klecks Ketchup drauf. Das ganze packten wir ein und verstauten es in unserer Kühltasche, zusammen mit einem ordentlichen Vorrat an Getränken und etwas Obst. Um 6:40 Uhr ging es los.

Lake Powell
Ausblick auf den Lake Powell

Wir wollten heute an der Verlosung für ein Walk-in-Permit in die Coyote Buttes North (allgemein nur Wave-Permit genannt) teilnehmen, deshalb fuhren wir zur Paria Contact Station, etwa 30 Meilen von Page entfernt am Hwy 89 gelegen. Hier werden täglich um 9:00 Uhr diese Permits vergeben, und zwar jeweils 10 Stück. Sind mehr Interessenten da als Permits vorhanden, werden diese verlost. Da wir von Page, Arizona aus kommen und die Paria Contact Station in Utah liegt, mussten wir eine Stunde früher losfahren, denn in Arizona gibt es keine Sommerzeit (Daylight Saving Time). Vergisst man das, erreicht man die Contact Station leider eine Stunde zu spät und die Vergabe der Permits ist bereits gelaufen. Unterwegs kauften wir noch Kaffee an einer Tankstelle. Im Zimmer hatten wir keinen kochen können und wir brauchen morgens unseren heißen Kaffee. An der Ranger Station kamen wir etwas zu früh an, daher blieben wir im Auto sitzen und warteten darauf, dass sie geöffnet werden würde. Dabei konnten wir eine Prozedur beobachten, die wir vorher noch nicht gesehen hatten. Es kam jemand aus dem Gebäude und ging zu dem Fahnenmast einige Meter entfernt. Den hatte ich vorher gar nicht bemerkt. Dann wurde die amerikanische Flagge hochgezogen. Sowas ist hier ganz normal, nur bei uns kennt man so etwas überhaupt nicht. Kurz darauf wurde dann auch die Türe aufgeschlossen und wir konnten zusammen mit den anderen Wartenden in die kleine Ranger Station hinein gehen. Es waren insgesamt 23 Leute da, die ein Permit für die Wave haben wollten. Drei Gruppen zählten dabei doppelt, da sie gestern bei der Verlosung leer ausgegangen waren. Als die Auslosung begann, erwartete ich eigentlich die gleiche Prozedur wie im letzten Jahr, als Marty, der Ranger, kleine Zettelchen schrieb, sie zusammenfaltete, in seinen Hut warf und hinterher umständlich wieder herauszog. Aber dieses Mal lief es anders. Jede Gruppe bekam eine Nummer, die man sich merken musste. Und für jede Nummer kam eine Kugel mit dieser Nummer in eine kleine Lostrommel. Die Lostrommel wurde dann von Hand gedreht und nach und nach wurden die Kugeln wieder "ausgespuckt", bis alle Permits vergeben waren. Ich machte mir wenig Hoffnung auf ein Permit, aber als die letzte Kugel fiel war es unsere Nummer! Unsere Freude war riesengroß. Wir waren zwar im letzten Jahr schon in der Wave gewesen, aber das Gebiet ist so groß und wir haben davon erst so wenig gesehen, dass wir wohl noch mehrere Male hierher kommen werden. Wir nahmen unsere Unterlagen von Marty in Empfang, die Wegbeschreibung mit Fotos und die Karte, hörten uns noch seine Erläuterungen dazu an und verließen dann glücklich die Paria Contact Station.

An der Smoky Mountain Road
An der Smoky Mountain Road
 
Suche nach dem Alstrom Point
Suche nach dem Alstrom Point
...hier ist er jedenfalls nicht!

Wieder im Auto suchte ich die Wegbeschreibung zum Alstrom Point heraus, dann fuhren wir wieder zurück Richtung Page bis nach Big Water. Hier kauften wir uns noch einen Kaffee und starteten gegen 9:00 Uhr Arizona-Zeit zum Alstrom Point. Wir hofften zumindest, dass wir diesen Punkt finden, denn dieses war jetzt schon unser zweiter Versuch. Nachdem wir Big Water hinter uns gelassen hatten, suchten wir uns eine schöne Stelle und hielten an. Der Kaffee in unseren Thermobechern war noch schön heiß und so aßen wir unsere mitgebrachten Brötchen dazu. Danach ging es gleich weiter während im Autoradio "Dadada" von Trio lief. Und das auf dem Weg zum Alstrom Point! Die Landschaft sah teilweise sehr interessant aus. Stellenweise ähnelte sie einer Mondlandschaft. Die Dirt Road war anfangs sehr gut zu befahren, auch die Furt gleich hinter Big Water war kein Problem gewesen. Allerdings wurde die Road mit der Zeit immer steiniger und felsiger. Und irgendwann verloren sich dann die Fahrspuren. Auf dem felsigen Untergrund war nichts mehr zu erkennen. Wir hielten an und stiegen aus dem Wagen. Wir schauten uns um, konnten aber nirgends eine Fahrspur oder einen Hinweis auf eine Fahrspur finden. Dann liefen wir ein Stück vor und zurück, aber wir fanden nichts, was auf eine Fahrspur hinweisen könnte. Wir waren zwar schon etwas weiter gekommen wie bei unserem ersten Versuch, trotzdem waren wir ziemlich frustriert. Wir suchten auch etwas weiter entfernt, aber Fehlanzeige. Anscheinend waren wir doch ein ganzes Stück vom richtigen "Weg" abgekommen. Die Aussicht auf den Lake Powell war zwar schon ganz schön, aber es war eben nicht die Aussicht vom Alstrom Point, die wir von Fotos her kannten. Enttäuscht, den Weg zum zweiten Mal nicht gefunden zu haben, machten wir uns auf den Rückweg. Später fiel mir beim Einsortieren der Wegbeschreibung in den Ordner eine Karte auf, die ich vorher übersehen hatte. Anhand dieser Karte wäre die Orientierung sicher leichter gewesen! Wir ärgerten uns beide darüber, aber umkehren wollten wir jetzt auch nicht mehr, dafür waren wir schon wieder zu weit gefahren. Aber so können wir es denn irgendwann noch ein drittes Mal versuchen und dann werden wir auch sicher den Alstrom Point finden!

Wahweap Marina
Blick vom Wahweap View auf die Marina

Auf dem Weg nach zurück Page kamen wir wieder mal am Wahweap View vorbei und kurzentschlossen bogen wir in die Gravel Road ein. Hier waren wir schon etliche Male vorbei gefahren, hatten es aber immer versäumt, uns diesen Aussichtspunkt anzuschauen. Der Wahweap View wird nach Sonnenuntergang geschlossen und morgens früh in der Morgendämmerung wieder geöffnet. Das Tor liegt direkt an der Abzweigung von der US 89, so dass man nicht umsonst hinauffahren muss. Wir fuhren die kurze staubige Gravel Road den Berg hinauf und stellten den Wagen ab. Hier oben befindet man sich hoch über dem Lake Powell und hat einen schönen Ausblick auf die Wahweap Bucht mit der kleinen Marina bis hinüber zum Glen Canyon Staudamm und der Brücke dahinter. Im Hintergrund ist das Navajo-Kraftwerk zu sehen. Wir blieben eine ganze Weile dort oben und genossen die schöne Aussicht. Es gibt hier auch eine überdachte Picnic Area. So könnte man beim Picknick mit einem traumhaften Ausblick den Sonnenauf- oder -untergang genießen. Wir nahmen uns vor, dies auch bei nächster Gelegenheit mal zu tun.

Auf dem Weg zum Horseshoe Bend
Noch sieht man ihn nicht
Auf dem Weg zum Horseshoe Bend
Jetzt kann man ihn ahnen

Während wir die Gravel Road wieder herunterfuhren, kam uns die Idee, auch noch zum Horseshoe Bend zu fahren. Es war ja noch relativ früh, wir hatten also genügend Zeit. Wir fuhren also nach Page, dort über die Brücke und dann auf dem Hwy 89 nach Süden bis zu dem beschilderten Abzweig. Hier muss man etwas aufpassen, wenn man nicht weiß, dass hier eine Abzweigung kommt, fährt man leicht daran vorbei. Es war nur eine kurze Fahrt bis wir die unscheinbare Einfahrt erreicht hatten. Nach wenigen Metern kamen wir zu dem kleinen, nicht asphaltierten Parkplatz, wo wir unseren Trail Blazer abstellten. Wir stiegen aus und uns traf fast der Schlag, als uns die Hitze entgegenschlug. Aber entschlossen bewältigten wir den leichten, sandigen Anstieg, bevor es dann wieder leicht bergab ging. Nach etwa 15 Minuten hatten wir die bekannte "Hufeisen-Schleife" des Colorado erreicht. Allerdings sieht man sie erst, wenn man fast unmittelbar vor der steil nach unten fallenden Canyonwand steht. Wir gingen bis dicht an die Felsenkante und schauten hinunter auf den großen Bogen des Colorado, wo das grün-blau schimmernde Wasser ruhig in seinem Bett dahinfloss. Unten waren winzige Boote zu erkennen. Es war ein phantastischer Anblick. Wir gingen ein Stück an der Canyonkante entlang, immer darauf bedacht, nicht zu nah an den Abgrund zu treten, denn hier gibt es keinerlei Absperrung oder Geländer oder etwas ähnliches. Das Fotografieren des Horseshoe Bend erfordert unbedingt ein Superweitwinkel-Objektiv, wenn man ihn im Ganzen aufs Bild bekommen möchte. (Mit meinem Objektiv bekam ich ihn leider nicht komplett aufs Bild.) Die beste Zeit zum fotografieren ist der späte Vormittag, dann werfen die steilen Canyonwände keine Schatten auf den Horseshoe Bend. Später am Tag wird es zunehmend schwieriger, die Colorado-Schleife zu fotografieren, und am Nachmittag steht die Sonne genau gegenüber des View Points und es gibt wieder mehr Schatten. Wir machten noch einige Fotos und gingen dann langsam wieder zum Auto zurück.

Horseshoe Bend
Horseshoe Bend
Horseshoe Bend
Am Horseshoe Bend

Auf dem Weg zum Horseshoe Bend war uns der neue Wal Mart in Page aufgefallen. Im letzten Jahr gab es diesen noch nicht. Wir sind also erst einmal zum "Abkühlen" in den Wal Mart und schauten uns dabei drinnen etwas um. Ich bin immer wieder beeindruckt von den amerikanischen Supermärkten mit den scheinbar endlosen breiten Gängen und dem riesigen Angebot. Wir kauften auch eine Kleinigkeit und nachdem wir wieder auf "Normaltemperatur" waren, fuhren wir wieder nach Page hinein, denn jetzt wurde es Zeit, nach einem Zimmer zu suchen. Im Empire House Motel wollten wir keine weitere Nacht verbringen.

Im Americas Best Value Inn kamen wir dann schließlich unter. Das Zimmer war ziemlich klein und eng, aber für eine Nacht würde das schon gehen. Jetzt war erst einmal eine Dusche fällig. Dabei stellten wir dann beide fest, dass wir uns einen Sonnenbrand auf den Waden zugezogen hatten, ich hatte außerdem auch noch die Arme verbrannt.

Zum Abschluss des Tages grillten wir uns Steaks draußen vor unserem Zimmer. Ein Salat und ein Bier machten das Essen komplett. Auch heute gingen wir wieder relativ früh schlafen.

Gefahrene Meilen: 121