25. Tag
Donnerstag, 4.10.2007

Ein anstrengender Trail zur Subway

Um 7 Uhr klingelte unser Wecker. Wir standen direkt auf, denn heute hatten wir vor, zur Subway zu wandern. Seit ich die ersten Fotos im Internet gesehen hatte, stand für mich fest, dass ich mir diesen Ort einmal selbst anschauen wollte. Und heute war es soweit. Unser Permit hatten wir vor 3 Monaten über die Online-Lotterie gewonnen. 5 Dollar hatte uns das Permit gekostet. Wir frühstückten schnell, machten die Verpflegung für unsere Tour fertig und kochten noch Kaffee für auf den Weg.

Dann fuhren wir los zum Leftfork Trailhead. Nach einer knappen Stunde erreichten wir den Parkplatz. Mehrere Autos standen schon hier. Eine Gruppe junger Leute stimmte sich mit Gitarre und Gesang auf die Wanderung zur Subway ein. Wir mussten zuerst noch einige Vorbereitungen treffen. Da wir nicht wußten, was auf uns zukommen würde (besonders, was die Wassertemperatur anging), zogen wir unsere geliehenen Neopren-Socken und -Schuhe an und packten unsere Verpflegung in den Rucksack. Wir nahmen noch unsere Trekkingstöcke aus dem Auto und legten unser Parking Tag hinter die Windschutzscheibe. Dann ging es dann endlich los. Es war 9:25 Uhr, etwas später, als wir eigentlich los wollten. Die jungen Leute machten immer noch Musik, während wir uns auf den Weg machten.

Kurz vor den Kaskaden
Kurz vor den Kaskaden
 
Kaskaden
Kaskaden

Der Trail begann gleich am Parkplatz hinter einer Infotafel. Zunächst ging es für einige Minuten auf einem einfachen Weg, und schon nach kurzer Zeit konnten wir in das Tal des North Creek schauen. Etwas später standen wir an der Abbruchkante des Great West Canyon und sahen den steilen Weg, den wir nun hinunter mussten. Der Abstieg war nicht ganz einfach, zumal lose Steine und Geröll uns ab und zu ins Rutschen brachten. Aber es war einfacher, als es von oben aussah. Im Zickzackkurs ging es nach unten, teilweise bildeten Baumwurzeln und größere Steine Stufen, die uns den Abstieg erleichterten. Auch unsere Trekkingstöcke waren uns beim Hinuntergehen eine große Hilfe, sie hatten mich einige Male vor einem Sturz gerettet. Der Weg ins Tal war ziemlich ausgetreten und gut zu erkennen. Hier konnten wir uns nicht verlaufen. Unten im Tal sahen wir dann ein Schild mit der Aufschrift „Left Fork Trailhead” kurz vor Erreichen des Creek. Es war auch das einzige Schild, das wir gesehen hatten.

Nachdem wir das Flußbett des North Creek erreicht hatten, ging es dann immer an diesem entlang, mal auf der rechten, mal auf der linken Seite. Meistens war der Pfad gut sichtbar, oft gab es aber auch mehrere Wege, von denen einige plötzlich endeten oder sich als zu schwierig herausstellten, so dass wir wieder ein Stück zurücklaufen mussten. Sehr oft mussten wir den North Creek durchqueren, wobei es über Steine und Felsplatten ging, die teilweise sehr glatt und rutschig waren. Die Entscheidung, Neoprenschuhe zu leihen, stellte sich als richtig heraus, weil es doch sehr viel durch Wasser ging. Der Weg wurde nie langweilig, es gab immer wieder neue Hindernisse zu überwinden. Mal lagen dicke Felsbrocken im Weg, mal umgeknickte Bäume, dann war das Wasser zu tief um durch zu waten oder die Böschung war zu steil. Jedesmal mussten wir uns dann einen anderen Weg suchen um weiter zu kommen, was aber kein Problem war. Teilweise gab es einen richtigen Trampelpfad, dem wir folgen konnten, aber oft gab es viele Fußspuren, die in mehrere Richtungen gingen. Die Trekkingstöcke waren doch manchmal etwas hinderlich, aber wir hatten auch immer wieder Situationen, in denen wir sie brauchten.

The Crack
The Crack
 
Kurz vor der Subway
Kurz vor der Subway
 
Eingang zur Subway
Eingang zur Subway

Ein bißchen Sorgen machte uns die Wetterlage. Es schien zwar die Sonne, aber wir hatten den Eindruck, dass die Bewölkung langsam zunahm. Wir hofften, dass es kein Unwetter geben würde und warfen immer mal wieder einen Blick zum Himmel.

Es war ein langer, anstrengender Trail. Nach einer knappen Stunde machten wir unsere erste Pause, das zweite Frühstück war fällig. Während wir auf einem Felsen saßen überholten uns die jungen Leute, die oben auf dem Parkplatz noch Musik gemacht hatten. Im weiteren Verlauf unseres Trails überholten wir uns gegenseitig mehrere Male. Sie kamen an uns vorbei, wenn wir Pause machten und wir überholten sie wieder, während sie an einer interessanten Stelle eine „Fotosession” machten. Wir gingen zwar zügig, aber nicht sehr schnell. Dadurch brauchten wir etwas über 4 Stunden bis zu unserem Ziel. Zum Schluß wurde uns die Zeit sehr lang, wir hatten das Gefühl, garnicht voran zu kommen. Ein Mann kam uns entgegen, der aufgegeben hatte und vor der Subway wieder umgekehrt war. Im Nachhinein gesehen hätten wir doch lieber kürzere, bzw. weniger Pausen machen sollen, denn am Nachmittag fehlte uns dann die Zeit.

Nach scheinbar endlosen Stunden erreichten wir die erste große Kaskade aus leuchtend rotem Fels. Das sah schon toll aus und wir hofften, dass es nicht mehr weit bis zur Subway sein würde. Von nun an mussten wir zwangsläufig im felsigen Flussbett weitergehen, welches teilweise sehr glatt und rutschig war, allerdings war das Wasser nur etwa knöcheltief. Um nicht auszurutschen und im Wasser zu landen, gingen wir recht langsam. Nach einigen Biegungen erreichten wir weitere Kaskaden. Sie boten einen phantastischen Anblick. Wir waren leider etwas spät dran, deshalb stand die Sonne nicht mehr ganz so günstig. Ein bis zwei Stunden früher wären die Lichtverhältnisse sicher besser gewesen. Trotzdem waren wir hellauf begeistert. Faszinierend war auch der schmale Riss in dem roten Fels, durch den das Wasser mit großer Geschwindigkeit schoss, um sich dann über die Stufen der Kaskaden zu verteilen, bevor es wieder zusammenfloss. Dieser Riss wird auch „The Crack” genannt. Hier hielten wir uns eine ganze Weile auf, bevor wir das letzte Stück bis zur Subway zurücklegten. Das war meiner Meinung nach der interessanteste Teil des ganzen Trails. Links und rechts des Flussbetts ragten die Felswände steil nach oben.

Und dann standen wir endlich vor dem Eingang der Röhre. Wir waren am Ziel unserer recht anstrengenden Wanderung angelangt! Wir hatten schon einige tolle Fotos im Internet gesehen, aber jetzt selbst hier zu stehen und alles mit eigenen Augen zu sehen, das war schon ein phantastisches Gefühl. Der Eingang der Subway sieht tatsächlich aus wie eine riesige Röhre. Sie ist zwar nach oben hin offen, aber es kommt kaum Licht hinein. Nach dem ersten Staunen gingen wir hinein, immer vorsichtig im flachen Wasser watend. Kurz nach dem Eingang erreichten wir die ersten fast runden Wasserlöcher, die sogenannten Pools, von denen wir auch schon einige Fotos gesehen hatten. Die beschriebene Stille in dieser Röhre vermißten wir allerdings, denn es waren doch einige Leute hier. Als wir ein ganzes Stück in die Subway hineingegangen waren, sahen wir gleich eine ganze Gruppe von Leuten, die sich oben von den Felsen abseilten. Sie waren über den etwas schwierigeren Wildcat Canyon Trailhead gekommen. Sie hielten sich jedoch nicht lange auf und verschwanden nach kurzer Zeit wieder nach oben. Während ich das Stativ aufstellte und einige Fotos machte, ging Ralf wieder heraus und setzte sich am Rand hin, um etwas auszuruhen. Ich folgte ihm etwas später und wir aßen noch eine Kleinigkeit.

In der Röhre
In der Röhre
Einer der Pools
Einer der Pools

Dann wurde es auch wieder Zeit für den Rückweg, obwohl ich noch Stunden hätte hier verbringen können. Aber wir wollten auf keinen Fall von der Dunkelheit überrascht werden. Wir machten uns wieder auf den Weg. Die jungen Leute waren noch in der Subway und fotografierten. Dieses Mal machten wir nur wenige kurze Pausen. Unsere Knie hatten auf dem Hinweg ganz schön gelitten und nun fingen sie an zu schmerzen. Wir versuchten, das zu ignorieren und gingen zügig voran. Unterwegs wurden wir wieder von der Gruppe junger Leute überholt. Sie machten im Gegensatz zu uns einen munteren Eindruck. Auch der Rückweg zog sich wieder ganz schön in die Länge. Kurz bevor wir die Stelle erreichten, wo wir wieder aus dem Tal heraus mussten, sahen wir einen großen Stein, auf dem eingeritzt war „1 hour from here”. Und dann kam auch schon der beschwerliche Aufstieg zum Leftfork Trailhead. Auf halber Strecke begann es zu dämmern. Tatsächlich schafften wir es, uns kurz vor Erreichen des Trailheads noch zu verlaufen. In der Dämmerung war der Pfad nur schlecht zu erkennen und so hatten wir wohl einen Abzweig erwischt, der nicht zum Parkplatz führte. Als wir das bemerkten, hatten wir aber keine Lust mehr, noch einmal zurück zu gehen und den richtigen Weg zu suchen. Wir arbeiteten uns quer durchs Gelände und erreichten kurz vor dem Parkplatz die Straße. Die letzten Meter legten wir bergab auf der Straße zurück und waren dann endlich wieder bei unserem Auto angelangt.

Im hinteren Teil der Subway
Im hinteren Teil der Subway

Es waren nur noch wenige Autos auf dem Parkplatz, auch der Wagen von den jungen Leuten stand noch dort. Gleich daneben standen mehrere Leute, die mit einem Sheriff sprachen. Als er uns sah, kam er zu uns und fragte uns nach einem jungen Mann mit einem verletzten Knie, der noch im Tal sein musste. Ein weiterer Mann sei noch bei ihm. Der Sheriff wartete noch bis es dunkel geworden war, aber es kam niemand mehr aus dem Tal hoch. Für einen Hubschraubereinsatz sei es zu dunkel, meinte der Sheriff, das müsse man am nächsten Morgen machen. Auch bis wir den Parkplatz verließen tauchten die Vermißten nicht wieder auf. Wir befürchteten, dass diesen eine ungemütliche Nacht bevorstehen würde.

Wir aber fuhren zügig nach Springdale zurück und erreichten kurz vor Geschäftsschluss „Noodles & Pizza”, um unsere geliehenen Sachen zurück zu bringen. Gerne hätten wir auch hier zu Abend gegessen, aber das Restaurant war brechend voll und es warteten schon viele Leute auf einen freien Platz. Deshalb suchten wir uns ein anderes Lokal fürs Abendessen und fuhren danach zum Watchman Campground zurück.

Gefahrene Meilen: 45