7. Tag
Mittwoch, 24.12.2008

Von Overton nach Page

Wir standen früh auf und frühstückten im Hotel. Dann ging es los, wir wollten heute zum Toroweap Point, manchmal auch Tuweep Point genannt. Der Toroweap Point ist ein einzigartiger, hochgelegener Aussichtspunkt am Nordrim des Grand Canyon. Er liegt sehr abgelegen und ist nur über Dirt Roads erreichbar, die im Sommer sehr staubig sind. Wir waren bereits einmal hier und konnten die spektakuläre Aussicht auf den Colorado River genießen. Hierhin kommen nur wenige Menschen und so ist man meistens völlig alleine. Wir hatten uns das sehr schön vorgestellt, Heilig Abend am Toroweap Point. Doch es sollte anders kommen. Wir fuhren auf dem Interstate 15 nach Osten. Es war kalt und stark bewölkt. In St. George verließen wir den Interstate wieder, denn hier beginnt eine der drei möglichen Routen zum Toroweap Point. Diese soll die landschaftlich schönste sein, deshalb hatten wir uns für die Main Street Route entschieden. Wir hatten gelesen, dass diese Strecke im Winter eventuell wegen Eis und Schnee geschlossen sein kann und auch nach Regen möglicherweise nicht befahrbar ist. Wir waren gespannt, in welchem Zustand die Piste sein würde.

„Straße” bei St.George
Die „Straße” nahe St. George

Als der unbefestigte Teil der Straße begann, war es zwar nass, aber trotzdem gut zu befahren. Nur ein wenig Schnee lag an den Seiten. Wir fuhren kontinuierlich nach Süden. Später lag ein wenig Schnee auf der Piste, dann wurde es langsam mehr Schnee. Es waren schon viele Autos hier langgefahren, das war an den Spuren zu sehen.

Eine halbe Stunde später
Eine halbe Stunde später

Das Wetter machte uns ein bisschen Sorgen. Im Westen, ziemlich weit entfernt, war eine große graue Wolke, die nach Schnee aussah. Aber wir fuhren weiter. Nach und nach wurde es immer mehr Schnee, gleichzeitig wurde es auch immer kälter und im Osten erschien nun ebenfalls eine dunkle Wolke. Irgendwann kam uns ein Auto mit Schneeketten entgegen, das stimmte uns etwas bedenklich. Durch die Fahrspuren kamen wir ohne Probleme voran. Bei der ersten Abzweigung wurden die Fahrspuren deutlich weniger. Der Plastikspoiler unseres Dodge Nitro schrammte über den Schnee, aber noch fuhren wir weiter Richtung Toroweap Point.

Etwas später
Wieder etwas später

Kurz nach dem Mt. Trumbull Schoolhouse ging wieder eine Fahrspur weg. Unsere Fahrspur dagegen war seit dem letzten Schneefall nicht mehr befahren worden, wir waren also die ersten. Ich hatte den Eindruck, dass hier noch mehr Schnee lag. Wir hatten ca. 60 Meilen von den 90 zu fahrenden bereits hinter uns.

Kurz nach dem Schoolhouse kam die Einfahrt zu einer Ranch, dann ging es auf einer Passstraße bergauf. Viel weiter kamen wir dann auch nicht mehr. Wir blieben im Schnee stecken. Ralf gab sein Bestes, setzte zurück, versuchte es mit mehr Schwung, und das alles mehrmals. Aber die Reifen gruben sich immer tiefer in den Schnee. Es half alles nichts, wir kamen die Steigung nicht hoch. Nach etlichen Versuchen wieder frei zu kommen mussten wir leider aufgeben.

Rückwärts ging es dann wieder hinunter. Die Straße war zu schmal zum Wenden und auf der linken Seite ging es steil nach unten, das war uns dann doch zu riskant. An der Einfahrt zur Ranch hielten wir erst einmal an, weil ein Warnlicht am Armaturenbrett aufleuchtete, von dem wir nicht wussten was es bedeutete. Wir suchten die Betriebsanleitung unseres Wagens und wurden im Kofferraum fündig, sie war noch nagelneu und eingeschweißt. Wir schlugen erst einmal nach, doch in der Zwischenzeit war das Lämpchen wieder erloschen. Aber wir waren etwas beunruhigt und wollten wissen, was das Lämpchen bedeutete. Es war wohl eine Überhitzung des Getriebes gewesen.

Nun konnten wir uns unserem nächsten Problem widmen. Was sollten wir jetzt machen? Die ganze Strecke bis St. George zurückfahren wollten wir nicht.

Ralf war etwas „stinkig”. So kurz vor dem Ziel und wir müssen aufgeben! Aber es war nicht zu ändern. Wir schauten noch einmal in die Karte. Etwa auf halber Strecke nach St. George zweigte eine Piste nach Colorado City ab. Das war die zweite Möglichkeit zum Toroweap Point zu kommen, die Clayhole Route. Also blieb noch die dritte Route, die Sunshine Route, die wir schon einmal gefahren waren, allerdings im Herbst.

An der Piste Richtung Colorado City
An der Piste Richtung Colorado City

Etwas enttäuscht fuhren wir zurück und nahmen dann die Piste Richtung Colorado City in der Hoffnung, dass wir auf dieser Strecke nicht auch wieder irgendwo steckenbleiben. Aber mit der Zeit wurde der Schnee weniger, und je näher wir an Colorado City kamen, umso matschiger wurde die Piste. Zum Schluss fuhren wir nur noch durch roten Matsch.

Bei Colorado City fing es ganz leicht an zu schneien. Dann erreichten wir den Highway 389 und wir bogen Richtung Fredonia ab.

An der ersten Tankstelle, die wir sahen, machten wir eine kurze Pause. Wir tankten unseren Wagen wieder voll und gönnten uns einen Kaffee. Dann ging die Fahrt auch schon wieder weiter. Kurz darauf zweigte die Straße 109 ab, der Anfang der Sunshine Route. Ich wäre am liebsten gleich weiter nach Kanab gefahren, da ich mittlerweile auch ein Zeitproblem befürchtete, denn es war ja schon 15 Uhr durch. Aber Ralf wollte unbedingt diese Straße zum Toroweap Point fahren und war nicht umzustimmen.

Zu Anfang lag nur wenig Schnee auf der Straße. Dann fing es heftiger an zu schneien und ringsherum waren dunkle Schneewolken. Von der Landschaft war so gut wie nichts zu sehen.

Wir hatten diese Strecke eigentlich als leichte Piste in Erinnerung, die in erster Linie ohne Steigungen verläuft (bis auf die letzten 6 Meilen). Der Schnee auf der Piste wurde nun immer mehr und dann kamen einige Kurven und Steigungen an die wir uns nicht erinnern konnten.

Ich dachte mit Schrecken an die letzten 6 Meilen und daran, dass in der Nacht noch mehr Schnee fallen könnte. Mir wurde immer unwohler. Die letzten Steigungen hatte unser Dodge gerade so geschafft. Mittlerweile brach die Dunkelheit an und es lag reichlich Schnee auf der Piste. Dann entschlossen wir uns umzukehren. Nach über der Hälfte der Strecke, aber das war sicherer.

Hier kehrten wir um
Hier kehrten wir um

Wie sollten wir in der Dunkelheit die letzten 6 Meilen bewältigen, wenn wir nicht sehen können, was sich unter dem Schnee befindet? Und wie sollten wir, wenn es noch mehr schneit, am nächsten Tag zurückkommen? Das Risiko war uns zu groß. Inzwischen hatte es aufgehört zu schneien. Im Dunklen fuhren wir zurück zum Highway 389 und dann gleich weiter Richtung Kanab. Noch bevor wir Kanab erreichten fing es wieder heftig an zu schneien.

Ralf wollte nun auch gleich bis Page weiterfahren, weil es ja nur noch ca. 75 Meilen waren. Also fuhren wir weiter. Der Schneefall wurde nun langsam fast zu einem Schneesturm. Viel sehen konnten wir nicht. Bei jedem Auto, das uns entgegen kam, wurde der feine Pulverschnee herumgewirbelt, so dass wir noch weniger sahen. Aber je näher wir Page kamen, umso weniger Schnee wurde es. In Page lag fast gar kein Schnee.

Wir fuhren gleich zum Page Boy Motel, wo wir für die nächsten knapp 2 Wochen ein Zimmer reserviert hatten. Wir freuten uns riesig, dort um 22:30 Uhr noch unseren Freund Charly anzutreffen, der in der Lobby mit Malerarbeiten beschäftigt war. Es gab ein großes Hallo, denn wir hatten uns ja schließlich über ein Jahr nicht gesehen. Nachdem wir erzählt hatten, warum wir einen Tag zu früh in Page waren meinte unser Wilderness erfahrene Freund, dass wir alles richtig gemacht hätten. Dann rief er Brenda an, die Besitzerin des Page Boy Motel, und klärte ab, ob wir schon einen Tag früher einchecken könnten. Kurz darauf kam Brenda und begrüßte uns sehr herzlich.

Wir bekamen den Schlüssel und konnten sofort unser Zimmer beziehen. Wir packten unser gesamtes Gepäck aus dem Auto, denn schließlich wollten wir ja einige Zeit hier verbringen. Danach waren wir zwar ziemlich geschafft, aber auch froh, endlich in Page zu sein.

Gefahrene Meilen: 391